Zwei Black Mountain College Programm Varianten :

1) StreichQuartett + Klavier + 2 Sprecher (7 Mitwirkende)

Stefan Wolpe: About the seventh (1945/46) - Violine/Cello
Stefan Wolpe: 12 pieces für Streichquartett (1950) - Streichquartett
Stefan Wolpe: Fragment (1950/51) - Streichquartett
Charles Olson: aus Eisvogel (1953) - Barbara Stoll
Stefan Wolpe: Form (1959) - Klavier solo
John Cage: String quartet in four parts (1950) - Streichquartett
Robert Creeley: Poems aus For Love (1950-60) - Jerry Willingham
Stefan Wolpe: Piece for Cello alone (1966) - Cello
Buckminster Fuller: aus Raumschiff Erde (1963) - Stoll/Willingham
John Cage: Book of Changes Book I (1951) - Klavier solo
Improvisation - Streichquartett, Klavier + 2 Sprecher


Helios SQ+ Jürgen Kruse, Klavier;
Barbara Stoll, Sprecherin (Deutsch); Jerry Willingham, Sprecher (Englisch)


2) Flöte/Harfe/Schlagzeug + SQ (ohne Klavier) + 2 Sprecher (9 Mitwirkende)


Lou Harrison : The Perilous Chapel (1948) - [fl, vc, dr, hp]
Lou Harrison : Praise for the Beauty of Hummingbirds (1952) - [2 vln, fl, hp, perc]
Lou Harrison : Suite (1954) [vcl / hp]

Stefan Wolpe : aus Music for any instruments (div Besetzungsmöglichkeiten und Dauern)
Stefan Wolpe : 12 pieces für Streichquartett (1950)
Stefan Wolpe : Fragment (1950/51)
Stefan Wolpe : Piece for Cello alone (1966)

Charles Olson : aus Eisvogel (1953)
John Cage : String quartet in four parts (1950)
John Cage : 4`33" (1952) tutti
Robert Creeley : Poems aus For Love (1950-60)
Buckminster Fuller : aus Raumschiff Erde (1963)

Late Night mit Improvisation (tutti) und/ oder Cage: Music for Six


Black Mountain College
Hintergrund

Im Black Mountain College, zu dessen Kuratoren Einstein und C.G. Jung zählten, entwickelte sich aus der Verbindung von deutschsprachigen Emigranten mit unabhängigen, freiheitsliebenden amerikanischen Künstlerpersönlichkeiten gerade eben kein einheitlicher Stil, wie er in einigen Bereichen im Bauhaus entstanden war.
Es wurde vielmehr ein Brennpunkt geistiger Energie, geschaffen durch die künstlerisch-menschliche Auseinandersetzung zwischen Lehrern und Studenten und natürlich zwischen den Künstlern untereinander. Die Arbeit an diesem abgeschiedenen Ort, oft am Rande des Existenzminimums, da es keinerlei öffentliche Unterstützung gab, forderte jeden einzelnen heraus, seinen ureigensten Intensionen zu vertrauen und sie überzeugend zum Ausdruck zu bringen.

1933 wurde das College angeregt und mitaufgebaut von dem ehemals am Bauhaus tätigen Maler und Pädagogen Josef Albers, über dessen Bedeutung für Black Mountain John Cage zu Morton Feldman folgendes sagte:


Ich habe versucht, heute an jemand vergleichbares zu denken, verstehst du? Es fiel mir niemand ein. Der nächste, auf den ich kam, war vielleicht Stefan Wolpe. Etwas davon, aber ganz anders, gibt es bei Karlheinz Stockhausen. Andererseits wurde abseits vom Gebiet der Musik, in der Malerei, kürzlich die Frage aufgeworfen, ob das Black Mountain College wiederbelebt werden könnte und es war jederman klar, daß es auf die Persönlichkeit von Josef Albers angewiesen war (...) Gelegentlich konnte er das alles (ein enormes Maß an Freizügigkeit) in eine Art deutsches Bild zusammenziehen, in dem jedermann seine Hacken zusammenschlägt und in Hab-Acht-Stellung steht und ihn ernst nimmt. Und wenn er dann seine Hacken auseinanderbekommen hatte, fuhren alle fort, ihre Kurse nicht zu besuchen und das zu tun, was ihnen in den Sinn kam...

(aus MusikTexte 45/Radiogespräch vom 9. Juli 1966 in New York)


1951-56 leitete Charles Olson das College

„Um ihn, den 1910 Geborenen, scharten sich alsbald die jungen Talente, Dichter, die heute zur Elite der amerikanischen Moderne zählen dürfen: Robert Creeley, Robert Duncan, Paul Blackburn, Edward Dorn..."

(aus: Nachwort von Klaus Reichert zur Gedichtausgabe im Suhrkamp Verlag)


Ebenso zugegen war John Cage, der 1952 gemeinsam mit Robert Rauschenberg, Merce Cunningham, David Tudor, Charles Olson sein erstes Happening veranstaltete.


„Ich glaube, die Idee des Happenings ist durch das zufällige Zusammentreffen mehrerer Leute im Black Mountain College entstanden — Merce war dort, David Tudor und Publikum... Viele Leute, viele Möglichkeiten und die schnelle Realisierung, all das hat zur Entstehung des Happenings beigetragen. Ich habe am Vormittag über eine Idee nachgedacht, und am Nachmittag wurde sie umgesetzt — mir war es möglich, einen umfassenden Plan zu entwerfen."

(aus: John Cage im Gespräch von Richard Kostelanetz)


Wichtige Komponisten am College waren Lou Harrison und Stefan Wolpe. Letzterer beschreibt die Zeit in Black Mountain als die glücklichste in seinem Leben.

Lou Harrison:
"Ich habe mich die ganze Zeit kaputtgelacht (während des oben erwähnten UrHappenings in Black Mountain). John hat eine Stoppuhr benutzt, um nach einem Zeitplan alles zu koordinieren. Da war auf einmal so viel los und es kam einem so absurd vor." Interessanterweise war es Lou Harrison der John Cage auf das chinesische Orakel I Ging aufmerksam machte, der zu eine der wichstigsten methodischenQuellen für Zufallsoperationen in den Arbeiten von John Cage und Merce Cunningham wurde, um alle mögliche musikalische und bewegungstechnische Abläufe mit zu bestimmen.
Robert Rauschenberg, der 1949 als Student nach Black Mountain kam, erzählte:
„In der Times hatte ich gelesen, daß Albers vom Bauhaus kam. Ich hatte damals noch keine Ahnung, was das Bauhaus war. Was immer er mir beibrachte, ich versuchte verzweifelt, mit ihm zusammenzuarbeiten und zu lernen. Aber was er mir beibrachte, war genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich hätte lernen sollen. Ich behielt meine Zuneigung für die Materialien und den körperlichen Aspekt der Kunst. Er sagte mehrmals am Tag „Kunst ist Schwindel". Die White Paintings zum Beispiel waren das direkte Ergebnis seiner Schule. Er brachte mir soviel Respekt für all die Farben bei, daß ich Jahre brauchte, um mehr als zwei Farben auf einmal benutzen zu können. Ich hatte keine Ahnung, welche ich „schwindelte"...
Ich habe John Cage auf Black Mountain kennengelernt Cage hat mein Denken sehr stark beeinflußt. Er gestattete mir, mir meine eigenen Gedanken zu machen, und er gestattete mir als einziger, sie zu Ende zu denken. Und wann immer ich das machte, fragte ich mich gleichzeitig, ob John dadurch vielleicht das Interesse an mir verlieren würde, aber das war ein unvermeidbares Risiko. In jeder Beziehung zu anderen Menschen muß man doch sich selbst immer mehr vertrauen als irgendeinem anderen.

(aus:R.R. im Gespräch mit Barbara Rose)


Cy Twombly wurde 1951 von Rauschenberg ans College geholt. Seine Bilder beschrieb der Dichter/Kurator Frank O’Hara sehr musikalisch auf folgende Weise :

„...Wiewohl die Gemälde alle schwarz und grau auf weiß instrumentiert sind, bewegen sie sich jenseits des Flüstertons: Diese Entwicklung macht die Malerei selbst zur Form. Ein Vogel scheint durch das Impasto geflogen, cremesanfte Aufschreie und bittere Krallenspuren hinterlassend ..."

(1949 New York)