Stefan
Wolpe : aus Music for any instruments (div Besetzungsmöglichkeiten
und Dauern)
Stefan Wolpe : 12 pieces für Streichquartett (1950)
Stefan Wolpe : Fragment (1950/51)
Stefan Wolpe : Piece for Cello alone (1966)
Charles Olson : aus Eisvogel (1953)
John Cage : String quartet in four parts (1950)
John Cage : 4`33" (1952) tutti
Robert Creeley : Poems aus For Love (1950-60)
Buckminster Fuller : aus Raumschiff Erde (1963)
Late Night mit Improvisation (tutti) und/ oder Cage: Music for
Six
Black
Mountain College
Hintergrund
Im
Black Mountain College, zu dessen Kuratoren Einstein und C.G. Jung
zählten, entwickelte sich aus der Verbindung von deutschsprachigen
Emigranten mit unabhängigen, freiheitsliebenden amerikanischen
Künstlerpersönlichkeiten gerade eben kein einheitlicher
Stil, wie er in einigen Bereichen im Bauhaus entstanden war.
Es wurde vielmehr ein Brennpunkt geistiger Energie, geschaffen durch
die künstlerisch-menschliche Auseinandersetzung zwischen Lehrern
und Studenten und natürlich zwischen den Künstlern untereinander.
Die Arbeit an diesem abgeschiedenen Ort, oft am Rande des Existenzminimums,
da es keinerlei öffentliche Unterstützung gab, forderte
jeden einzelnen heraus, seinen ureigensten Intensionen zu vertrauen
und sie überzeugend zum Ausdruck zu bringen.
1933
wurde das College angeregt und mitaufgebaut von dem ehemals am Bauhaus
tätigen Maler und Pädagogen Josef Albers, über dessen
Bedeutung für Black Mountain John Cage zu Morton Feldman folgendes
sagte:
Ich habe versucht, heute an jemand vergleichbares zu denken, verstehst
du? Es fiel mir niemand ein. Der nächste, auf den ich kam, war
vielleicht Stefan Wolpe. Etwas davon, aber ganz anders, gibt es bei
Karlheinz Stockhausen. Andererseits wurde abseits vom Gebiet der Musik,
in der Malerei, kürzlich die Frage aufgeworfen, ob das Black
Mountain College wiederbelebt werden könnte und es war jederman
klar, daß es auf die Persönlichkeit von Josef Albers angewiesen
war (...) Gelegentlich konnte er das alles (ein enormes Maß
an Freizügigkeit) in eine Art deutsches Bild zusammenziehen,
in dem jedermann seine Hacken zusammenschlägt und in Hab-Acht-Stellung
steht und ihn ernst nimmt. Und wenn er dann seine Hacken auseinanderbekommen
hatte, fuhren alle fort, ihre Kurse nicht zu besuchen und das zu tun,
was ihnen in den Sinn kam...
(aus
MusikTexte 45/Radiogespräch vom 9. Juli 1966 in New York)
1951-56 leitete Charles Olson das College
„Um ihn, den 1910 Geborenen, scharten sich alsbald
die jungen Talente, Dichter, die heute zur Elite der amerikanischen
Moderne zählen dürfen: Robert Creeley, Robert Duncan, Paul
Blackburn, Edward Dorn..."
(aus: Nachwort von Klaus Reichert zur Gedichtausgabe im Suhrkamp Verlag)
Ebenso zugegen war John Cage, der 1952 gemeinsam mit Robert Rauschenberg,
Merce Cunningham, David Tudor, Charles Olson sein erstes Happening
veranstaltete.
„Ich glaube, die Idee des Happenings ist durch
das zufällige Zusammentreffen mehrerer Leute im Black Mountain
College entstanden — Merce war dort, David Tudor und Publikum...
Viele Leute, viele Möglichkeiten und die schnelle Realisierung,
all das hat zur Entstehung des Happenings beigetragen. Ich habe am
Vormittag über eine Idee nachgedacht, und am Nachmittag wurde
sie umgesetzt — mir war es möglich, einen umfassenden Plan
zu entwerfen."
(aus: John Cage im Gespräch von Richard Kostelanetz)
Wichtige Komponisten am College waren Lou Harrison und Stefan Wolpe.
Letzterer beschreibt die Zeit in Black Mountain als die glücklichste
in seinem Leben.
Lou
Harrison:
"Ich habe mich die ganze Zeit kaputtgelacht (während
des oben erwähnten UrHappenings in Black Mountain). John hat
eine Stoppuhr benutzt, um nach einem Zeitplan alles zu koordinieren.
Da war auf einmal so viel los und es kam einem so absurd vor."
Interessanterweise war es Lou Harrison der John Cage auf das chinesische
Orakel I Ging aufmerksam machte, der zu eine der wichstigsten methodischenQuellen
für Zufallsoperationen in den Arbeiten von John Cage und Merce
Cunningham wurde, um alle mögliche musikalische und bewegungstechnische
Abläufe mit zu bestimmen.
Robert Rauschenberg, der 1949 als Student nach Black Mountain kam,
erzählte:
„In der Times hatte ich gelesen, daß Albers vom Bauhaus
kam. Ich hatte damals noch keine Ahnung, was das Bauhaus war. Was
immer er mir beibrachte, ich versuchte verzweifelt, mit ihm zusammenzuarbeiten
und zu lernen. Aber was er mir beibrachte, war genau das Gegenteil
von dem, was ich eigentlich hätte lernen sollen. Ich behielt
meine Zuneigung für die Materialien und den körperlichen
Aspekt der Kunst. Er sagte mehrmals am Tag „Kunst ist Schwindel".
Die White Paintings zum Beispiel waren das direkte Ergebnis seiner
Schule. Er brachte mir soviel Respekt für all die Farben bei,
daß ich Jahre brauchte, um mehr als zwei Farben auf einmal benutzen
zu können. Ich hatte keine Ahnung, welche ich „schwindelte"...
Ich habe John Cage auf Black Mountain kennengelernt Cage hat mein
Denken sehr stark beeinflußt. Er gestattete mir, mir meine eigenen
Gedanken zu machen, und er gestattete mir als einziger, sie zu Ende
zu denken. Und wann immer ich das machte, fragte ich mich gleichzeitig,
ob John dadurch vielleicht das Interesse an mir verlieren würde,
aber das war ein unvermeidbares Risiko. In jeder Beziehung zu anderen
Menschen muß man doch sich selbst immer mehr vertrauen als irgendeinem
anderen.
(aus:R.R. im Gespräch mit Barbara Rose)
Cy Twombly wurde 1951 von Rauschenberg ans College geholt. Seine Bilder
beschrieb der Dichter/Kurator Frank O’Hara sehr musikalisch
auf folgende Weise :
„...Wiewohl die Gemälde alle schwarz und grau auf weiß
instrumentiert sind, bewegen sie sich jenseits des Flüstertons:
Diese Entwicklung macht die Malerei selbst zur Form. Ein Vogel scheint
durch das Impasto geflogen, cremesanfte Aufschreie und bittere Krallenspuren
hinterlassend ..."
(1949
New York)