Konzeption und Beispielworkshop:

Spannungsfeld Komposition - Improvisation
Struktur und Freiheit

Die Unmittelbarkeit und Intensität der gruppendynamischen Prozesse freier Improvisation ist ein Eckstein in der Arbeit von Open_Music. Zentral in unserer Auffassung von Improvisation ist die Notwendigkeit, aufeinander zu hören und die eigenen Beiträge so zu gestalten, dass eine nachvollziehbare Entwicklung, ein Austausch wie in einem sinnigen Gespräch zustande kommt. Gute Improvisation ist tatsächlich eine Art Echtzeitkomposition, womit sich die scheinbaren Gegensätze Improvisation und Komposition als Pole eines Kontinuums zeigen, die sich nicht widersprechen.

Einer der wichtigsten Aspekte im Laufe eines Open_Music Workshops ist es, durch unsere Improvisationen eine Folge von eigenen Stücken zu entwickeln, die sich in einem Konzertprogramm präsentieren läßt. Dieser kompositorische Prozess zeigt immer wieder, wie viel offener die Jugendlichen anderen zeitgenössischen Werken gegenüber sind, nachdem sie selbst mit klanglichen und formalen Elementen experimentiert haben. Das im Anhang duch Presse und Audio-CD präsentierte Projekt „Dicht Dran!“ des Ludwigsburger Jugendsinfonieorchesters gibt davon eine Kostprobe.
Improvisieren zwischen völliger Freiheit und strukturierten Stücken, bei denen es z.B. Spielregeln gibt, bis hin zu richtig notierten Kompositionen, die je nach Schwierigkeitsgrad von den Jugendlichen zusammen mit den Workshopleitern oder von den Musikern des Ensembles >gelberklang< allein zur Aufführung gebracht werden – das ist die Bandbreite, die auch im abschließenden Konzert dargeboten wird.

Unter diesem Aspekt sollen gezielt Kompositionsaufträge vergeben werden. Im Gespräch sind wir sowohl mit Markus Hechtle, Marc André, Achim Bornhoeft und Sandeep Bhagwati, als auch mit den Kompositionsstudenten der Stuttgarter Musikhochschule aus den Klassen von Caspar Johannes Walter und Marco Stroppa.

Die jeweilige Programmzusammenstellung kann immer wieder neu die Frage aufwerfen: was ist fest notiert, was ist ungefähr vorstrukturiert und was aus dem Moment geboren?

Die Erfahrungen, dass Freiheit und Struktur keine unvereinbaren Gegensätze sind - weder rein menschlich, gesellschaftlich noch musikalisch - würden wir gerne in unserer Arbeit in Stuttgart verstärkt einsetzen.

Open_Music-Workshops sind in ihrem Umfang nach den Bedürfnissen der Schule, bzw. anderer Teilnehmer, flexibel. Zur Orientierung hier ein paar Anhaltspunkte:

  • 2 Teamer arbeiten mit einer Gruppe bis zu 25 Teilnehmern.
  • Für einen Workshop, in dem man Raum und Zeit hat, der musikalischen Entwicklung Platz zu geben, setzen wir 12-20 Schulstunden an, aufgeteilt in ca. 4 Doppelstunden und ein bis zwei Projekttage.
  • Abschlusspräsentation mit Generalprobe vor Ort.
  • Kosten: jeder Teamer erhält pro Stunde € 40.-
  • Fahrtkosten

    Das "Beispiel Workshop" unten bezieht sich im allgemeinen auf eine solche Situation.

Wir laden Sie ausdrücklich ein, sich mit uns über die Finanzierung zu unterhalten, da auch uns klar ist, dass gerade Schulen zumeist nicht über solche Summen verfügen und wir inzwischen schon viele Projekte durch zusätzliche Gelder über Stiftungen u.ä. realisieren konnten.

Open_Music-Workshops eignen sich

  • für Klassen, Orchester, Bands, Chöre
  • Sänger/ Instrumentalisten und solche, die bisher noch gar nicht aktiv Musik gemacht haben
  • alle Arten von Schulformen
  • Fortbildungen (für Lehrer, Studenten)


Ein Beispiel-Workshop:

Die erste Stunde dient zum Kennenlernen und Orientieren. Die Teamer stellen sich vor und spielen etwas zusammen und die Teilnehmer werden sofort mit einem persönlichen Hörerlebnis konfrontiert, worauf sie reagieren können. Wichtig ist dabei, eine Begeisterung für Klang zu erwecken und aktiv mit den Jugendlichen die Grundmaterialien von Musik direkt zu erleben. So beginnen wir gleich, mit ihnen eigene Klanglandschaften zu entwerfen und miteinander musikalisch zu kommunizieren.

Unabhängig davon, wie viele Schüler ein Instrumente spielen können, beginnen wir mit rhythmischen Übungen, um dann mit der Stimme spielerisch nach weiteren Klangmöglichkeiten zu suchen. Schon in dieser Phase entdecken und entwickeln die Schüler ihr Bewusstsein für ein konzentriertes Zusammenspiel und forschen nach den Grundelementen: aufeinander hören, Stille (aus-)halten, gemeinsam Klänge anfangen- und aufhören lassen, ähnliche, bzw. kontrastierende Klänge zu suchen.

Nach diesem Einstieg, bei dem alle, unabhängig von ihrer Instrumentalerfahrung, gleichgestellt sind, beziehen wir das musikalische Schaffen mit Instrumenten ein. Viele von unseren teilnehmenden Gruppen sind Neigungskurse in Musik und in diesen Klassen spielen viele der Schüler Instrumente. Bei unserer Gruppe in Kirchberg aber gab es kaum Instrumentalisten, so dass wir hauptsächlich mit Schlagzeug und Stimme arbeiteten. Aber auch bei den anderen Gruppen fanden viele Schüler es interessant, Schlagzeug oder Stimme zusätzlich zu benutzen. Für erfahrene junge Musiker stellen sich manchmal sogar besondere Probleme, sich von angeeigneten Mustern und ästhetischen Haltungen weit genug zu befreien, um sich direkt und offen dem musikalischen Material und den anderen Musiker zu stellen, anders zu hören und zu agieren als gewohnt.

Die ersten Improvisationsversuche laufen oft nach vorgegebenen Strategien ab. Besonders erfolgreich sind, z.B.: 1) alle auf eine vereinbarte Tonhöhe zu begrenzen und dabei die Ausdrucksmöglichkeiten und Klangfarben zu maximieren (laut/leise, kurz/lang, usw.). 2) „Dschungel“ – spielen/singen mit der Vorstellung, mit anderen nur über Klang (Rufe, Signale) zu kommunizieren, Verbindungen zu schaffen durch Imitation. Oft dient ein atmosphärischer Klangteppich als Ausgangspunkt (Luft-, Streich-, Klopfgeräusche). 3) „Big Bang“ – Von einem explosiven Anfang (so dicht und wild wie nur möglich), erst allmählich an Intensität nachgebend, fängt man an, Verbindungen zu anderen zu schaffen, dass aus dem Chaos Leben entsteht, Formen sich entwickeln.

Von Anfang an wird betont, dass unsere Stücke mit konzentrierter Stille anfangen und erst dann zu Ende sind, wenn alle aufgehört haben, Klänge zu erzeugen (Wiederkehr zur Stille).

Eine Vielzahl von Improvisationsanregungen werden angewandt um ein möglichst breites Spektrum an musikalischen Ergebnissen zu erzielen, z.B.: 1) Beschreibungen nach musikalischen Parametern (Texturen, nur kurze Töne, Triller/Tremoli, Fanfaren, rhythmische Ostinati usw.); 2) emotionale Zustände (Wut, Trauer, Glück); 3) naturbezogene Abläufe (Nacht, Tagesanbruch, Jahreszeiten, Fluss/See/Meer, Wüste); 4) Orte (Bahnhof, Markt, Wanderungen); 5) dramatische Abläufe (Kampfsport, Konflikt, Versöhnung), um nur ein paar Anregungen zu erwähnen. Da viele unserer Abschlusspräsentationen in Galerien und Museen stattfinden, wird auch oft ein Bezug zu visuellen Formen und Farben geübt. Besonders interessant war ein Projekt mit einer unserer fortlaufenden Gruppen (Open_Sounds) im Feb 2006, als wir 4 Tage lang einen Workshop von dem Choreograf Royston Maldoom (Rhythm is It!) in Stuttgart mit 20 jungen Tänzern begleiten durften. Die Orientierung hier kam aus den Bewegungen, Stellungen, Stimmungen der Tänzer und die Jugendlichen entwickelten so mit dem Tanz ihre Musik, die wir dann einem Publikum mit großem Erfolg präsentieren durften.

Eine Vielzahl von Improvisationsanregungen werden angewandt um ein möglichst breites Spektrum an musikalischen Ergebnissen zu erzielen, z.B.: 1) Beschreibungen nach musikalischen Parametern (Texturen, nur kurz Töne, Triller/Tremoli, Fanfaren, rhythmische Ostinati usw.); 2) emotionale Zustände (Wut, Trauer, Glück); 3) naturbezogene Abläufe (Nacht, Tagesanbruch, Jahreszeiten, Fluss/See/Meer, Wüste); 4) Orte (Bahnhof, Markt, Wanderungen); 5) dramatische Abläufe (Kampfsport, Konflikt, Versöhnung), um nur ein paar Anregungen zu erwähnen. Da viele unsere Abschlusspräsentationen in Galerien und Museen stattfinden, wird auch oft ein Bezug zu visuellen Formen und Farben geübt. Besonders interessant war ein Projekt mit einer unserer fortlaufenden Gruppen (Open_Sounds) im Feb 2006, als wir 4 Tage lang einen Workshop von dem Choreograf Royston Maldoom (Rhythm is It!) in Stuttgart mit 20 jungen Tänzer begleiten durften. Die Orientierung hier kam aus den Bewegungen, Stellungen, Stimmungen der Tänzer und die Jugendlichen entwickelten so mit dem Tanz ihre Musik, die wir dann einem Publikum mit großem Erfolg präsentieren durften.

Durch das Spiel mit den Instrumenten erfahren die Schüler, sich zunächst auf ausgewählte musikalische Motive zu begrenzen, die man gemeinsam weiter entwickeln kann, statt immer neue Ideen aneinander zu reihen. Die Teilnehmer werden in dieser Phase an grundsätzliche kompositorische Fähigkeiten herangeführt: eine Vielfalt von Anfängen, Entwicklungsformen und Schlüssen finden, das Aufeinanderhören und gemeinsame Agieren so zu verfeinern, dass die entstehende Musik wirklich als kollektive Komposition wahrgenommen wird. Ein besonders gelungenes Beispiel für Gruppenkompositionen waren Mini-Stücke, improvisiert von einem Neigungskurs in Esslingen als wir, auf der Suche nach möglichst kurzen und konzentrierten Stücken mit wenig Material versuchten, Stücke mit deutlich unterschiedlichem Charakter zu treffen.


Im Verlauf der Arbeit werden mit der Gruppe Strategien festgehalten, die besonders gute Ergebnisse erzielen, um damit Pläne für die Aufführung zu schmieden. Um eine sinnige, spannende und vielfältige Werkdramaturgie von ca. 20-40 Minuten zu gestalten, werden verschiedene Besetzungen innerhalb der Gruppe ausgesucht, verschiedene räumliche Aufstellungen überlegt und ein Programm gestaltet und eingeübt, das dann eine Konzerthälfte bildet.

Je näher unser Abschlusskonzert rückt, je wichtiger wird es für jeden Einzelnen, seine persönliche Haltung zu finden, eine Konzentration (Fokus) zu üben, die nicht nur das Musizieren selbst unterstützt, sondern auch einem Publikum gegenüber die notwendige Ernsthaftigkeit ausstrahlt. Die Räumlichkeiten selbst, vorhandene Kunstwerke, etc. spielen eine wichtige und entscheidende Rolle in unserer Planung.

Die Begegnung mit dem Publikum ist immer ein wichtiger Moment für die jungen Leute und eine weitere Bestätigung, dass die Arbeit wirklich gelungen ist. Immer wieder kommen Eltern und Lehrer, die die Schüler aus dem Alltag kennen, und loben nicht nur die musikalischen Ergebnisse, sondern auch die Konzentration, mit der die Schüler musizieren. Häufig hören wir von Menschen, die behaupten, sie mögen keine moderne Musik , dass sie beim Hören dieser Improvisationen teilnehmen können an dem oft intimen Zusammenspiel der jugendlichen Musiker und dabei große Freude und Sinn in der Musik erleben.