Resonanz: (Presse / Teilnehmerkommentare)


Open_music in Konstanz

"Die Suche nach dem Schluss" -
Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums (Konstanz) finden zur Improvisation:

"18 Schülerinnen und Schüler des Alexander-von-Humboldt Gymnasiums in Konstanz aus den Klassen sechs bis zwölf haben sich bei dem Worksop Open_Music angemeldet, um eine ungewöhnliche Art des Musizierens und damit auch ihr Instrument neu kennen zu lernen. Neben Klarinette, Querflöte, Klavier und Saxofon waren auch Instrumente wie E-Gitarren, Schlagzeug und Percussion im Einsatz... Am wichigsten dabei sei das Zuhören, erklärte Roller. Er uns sein Kollege Michael Kiedaisch führten die Jugendlichen durch die Proben - dabei achteten sie darauf, den Musikern den größtmöglichen Handlungsspielraum zu lassen.

Die wiederum haben ganz offenbar Spaß bei der Sache. Es gibt oft nur ein ganz dünnes Grundgerüst an dem man sich orientiert. Alles andere ergibt sich aus der Situation heraus und erzeugt ein unwiederholbares Klangerlebnis, bei der die Musiker sich allein mit ihren Instrumenten zu unterhalten scheinen, Kläng und Töne beantworten oder wiederholen... "

- Südkurier (Selma Burnukara, 24.04.2007)


Open_Music in Friedrichshafen

"Ein Ton ergibt den andern"

"Beim Begleitprogamm Farbinterventionen von Platino im Zepplin-Museum wirkten Schüler der Klassen 10 und 11 des Graf-Zepplin-Gymnasiums mit, die von Mitglieder des Ensembles >gelberklang< gut dazu vorbereitet worden sind. Rund um die doch zahlreiche Zuhörerschaft saßen die Schüler und begannen von allen Seiten durch rhythmisches Schlagen von Röhren in verschiedenen Tonhöhen eine faszinierende Klangverdichtung zu schaffen. Frei von stilistischen Vorgaben improvisierten die Jugendlichen dann auf Streich- und ganz verschiedenen Blasinstrumente, wo ein Ton den anderen ergab. Beim Zuspiel von Einzeltönen in unterschiedlicher Artikulation ergaben sich unerwartete Klangmischungen, die bei zunehmend rhythmischen Impulsen an Intensität und Farbe gewannen. Tonlinien wurden durch spontane Einwürfe aufgebrochen oder es entstand ein irisierend schwebender Sound. Besonders beeindruckte die vielschichtige Differenzierung eines fast gleich bleibenden Tones in allerfeinsten Nuancen..."

- Südkurier (30.03.2007)


Open_Music in Tübingen
(Fotos: Heinz Heiss - heinzheiss.de)

Sich einlassen auf etwas Unvorhersehbares, heißt die Devise, denn keiner weiß, aus welcher Ecke gleich etwas kommen wird...

„Die Grundregel“, erklärt Roller: „Es gibt hier nichts wirklich Falsches. Ich kann jeden Ton spielen, den ich spielen will.“ Eine Freiheit und Verantwortung, mit der nicht jeder gleich auf Anhieb umgehen kann: „Ich kann spielen, was ich will, aber mit Überzeugung. Und wenn es schräg klingt – dann muß man dazu stehen. Solange man nicht zurückscheut, klingt es immer gut.“

Vorankündigung im Schwäbischen Tagblatt vom 26.04.2006


Es ist kurz nach elf Uhr, in einem Tübinger Gymnasium kommen Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 13 aus dem Pausengetümmel in den Musiksaal, sie packen ihre Instrumente aus, setzen sich auf Stühle, die in einem Kreis angeordnet sind, und stimmen ihre Instrumente. Doch etwas unterscheidet dieses Projekt von einer gewöhnlichen Orchesterprobe: Es gibt keine Notenständer.

Mutige nach vorne heißt es beim Freien Improvisieren, denn einer muß mit einer Idee den Anfang machen...Kurze Stücke, mal leise, mal rhythmisch, folgen aufeinander. Ob durch langjähriges Orchesterspiel oder eigene Kreativität: Der Gebrauch der Instrumente folgt oftmals den klassischen Partituren, Klarinette und Oboe spielen sich mit kurzen Phrasen den Ball zu, das Horn stützt warm mit langen Tönen. Celli und Geigen übernehmen Motive voneinander und man kommt ganz ohne Noten und Dirigent gemeinsam zum Schluß...
Die Angst weicht gruppendynamischen Prozessen, man erkennt kleine Führungspersönlichkeiten, die durch ein kurzes Kopfnicken oder eine überzeugende musikalische Figur die anderen mitreißen und so Rhythmus und Charakter entstehen lassen...
Doch man erkennt in allen Augen den Spaß und die Überzeugung beim eigenen Tun, die Neugier an der Entdeckung neuer musikalischer Räume. Auch wenn sich das Dargebotene sehr von einer Mozart- oder Haydnpartitur unterscheidet, ist es eine bewundernswerte musikalische Leistung, die das Ensemble durch Reagieren aufeinander und Agieren miteinander entstehen lässt...

Neben der Förderung persönlicher Kreativität und wohltuenden gruppendynamischen, sozialen Effekten ist diese musikalische Erfahrung auch eine vielversprechende Herangehensweise an klassischen Musik, die oftmals im Einzelunterricht ein wenig wie eine tote Sprache unterrichtet wird. Open_Music will keine Alternative sein, sondern eine Ergänzung, um Musik als ureigenes Bedürfnis des Menschen auszudrücken.

Fachzeitschrift: Üben und Musizieren 3/06

 

Open_music in Heidenheim

Wie aus dem Nichts kommend und in surrealer Atmosphäre begann der erste Programmpunkt mit einer durchgeklügelten Improvisation zur Grafik „Reverie“ Roy Lichtensteins mit den Adepten des Workshops... Geheimnis- und reizvolle Tonmischungen, zugleich Motivfragmente, entwickelten sich allmählich zu faszinierenden Assonanzen.

Diese Zusammenklänge wurden mit viel Elan und Freude von den Interpreten hervorgezaubert... Allgemeine Ergriffenheit war das Resultat.
Als großes Finale verabschiedete sich das Ensemble (Helios StreichQuartett mit Mike Svoboda) mit einer hochexplosiven crescendierenden Improvisation. Die Steigerung zu einem martialischen Schrei bohrte sich als Erinnerung für längere Zeit ins Gedächtnis ein.

Heidenheimer Neue Presse vom 26.10.2005

Einmal meditativ-statisch, dann wieder mit temperamentvollen Ausbrüchen zeigten die jugendlichen Musiker ihre Fähigkeiten zum schöpferischen Umgang mit dieser Musikrichtung und bewiesen nicht zuletzt beachtliche Spielkompetenz.

Heidenheimer Zeitung vom 25.10.2005


Open_Music in Ostfildern

Gemessen an normaler klassischer Musik klingt das nicht unbedingt harmonisch. Aber man merkt gleichwohl, dass dem seltsamen Klanggemisch doch irgendwie eine Struktur zugrunde liegt: Da werden Motive von einem Spieler zum nächsten weitergereicht, werden Rhythmen dezent abgewandelt. So geht das eine ganze Weile. Dann, als die innere Spannung spürbar nachlässt, setzt der Cellist mit einem lang gestrichenen Flageolettton einen neuen Impuls, der Schlagzeuger unterlegt ihn prompt mit einem Rhythmus. Plötzlich ist das Stück, wie von einem unsichtbaren Dirigenten gesteuert, auf einen Schlag zu Ende...

Manche empfinden die Improvisation tatsächlich als eine Art Befreiung von den Zwängen herkömmlichen Musizierens. „Man kann mehr machen als in notierter Musik...“ sagt einer der Schüler.
„Jeder Schüler darf einen Ton (zu einem reinen Eintonstück) dazumachen“, erklärt Roller. „Aber vorher wählen und dann dabei bleiben!“ Da jeder Spieler einen anderen Ton wählt, ergibt sich ein komplett anderes Klangbild, in dem praktisch die ganze Tonskala enthalten ist. Die Schüler lernen dadurch, wie gerade die freiwillige Beschränkung der Mittel die Kreativität anregen kann. Den eigenen Musikstil zu finden, findet Scott Roller wichtig. Besonders für Kinder und Jugendliche, die in einer völlig medialisierten Welt aufwachsen und tagaus, tagein von den Produkten der Musikindustrie zugeschüttet werden...

Wenn die (die eigene Musik) gefunden wird, dann kann es sogar richtig lustig zugehen. Zum Beispiel, wenn sich bekannte Muster in das freie Spiel einschleichen. Wie beim Cellisten, der während einer Improvisation plötzlich einen punktierten Rhythmus von der Leine lässt, in den flugs die Bläser einfallen. Das Ganze klingt so herrlich schräg, als spielte da eine alkoholisierte Tangokapelle.

Stuttgarter Zeitung vom 22.11.2005


Ein gewaltiger Cluster zur Eröffnung, dann eine breite Palette filigraner Klangereignisse; Summen, Stöhnen, Pfeifen, Trampeln und mannigfache instrumentale Aktionen  füllten den Raum der Städtischen Galerie Ostfildern. Ein besonderes Experiment wurde gestartet – der Musikneigungskurs der beiden Nellinger Gymnasien wagte sich in die geheimnisvolle Welt der Improvisation...
Diese Begeisterung spürte man auch beim Konzert von Open_Music im Stadthaus. Bei den verschiedenen Improvisationsmustern fanden sich die jungen Akteure in der Welt der Klänge und Geräusche ein, zauberten Klangflächen, entwickelten rhythmische Sequenzen und gaben den zentralen musikalischen Elementen Spannung und Entspannung Raum. Die Wiedergabe war geprägt von Konzentration, lebendiger Interaktion und unkonventionellen Reaktionen.

Stadtrundschau Ostfildern vom 01.12.2005


Noten gibt es keine, Codes auch nicht. Die Musiker stehen in Blickkontakt und versuchen, sinnige Sequenzen musikalischer Gedanken wie in einem Gesärch kompatibel zu machen. Die außergewöhnliche Geräuschkulisse verschmilzt zu einem improvisierten Konzert, das den Quadraten, die eine imaginäre Notenlinie entlang tanzen, taktvoll Paroli bietet.

Esslinger Zeitung vom 28.11.2005


Kommentare der Jungendlichen zu ihrem jeweiligen Open_Music Projekt:

„Bei diesem Projekt lernt man sich besser auszudrücken, es ist irgendwie intensiver als „normales“ Musizieren. Man gibt viel von sich selbst preis und braucht den Mut dazu. War klasse, hat sehr viel Spaß gemacht!!! Gelernt habe ich auch, wie leicht aus Klängen Musik werden kann.“

„Mir war wichtig, dass es nichts mit nach festen Regeln zu spielen zu tun hatte, so wie in der Klassik. Ich habe ganz neue Seiten der Musik kennen gelernt von der ich nicht einmal die Vorstellung hatte, dass es sie gibt. Und auch mein Instrument ist mir näher gekommen. Es war besonders, dass es so regellos ungezwungen ist und man sich darin probieren kann, sich zu öffnen. Man kann sich in einer anderen Welt verlieren.“

„ Das Besondere dieses Projektes war, dass man keine Noten hatte und es deswegen umso wichtiger war, aufeinander zu hören und Ideen zusammen auszuführen. So war also jeder eine Art Komponist, der dem Stück seine eigenen Ideen beifügen konnte. Ich fand eigentlich alles total klasse und würde mich freuen, wenn es weiterhin solche Projekte gäbe, damit auch andere Menschen das erleben können!“

„Dadurch, dass es mit dem ganzen Kurs war, hat es uns ziemlich zusammengeschweißt. Außerdem war das Improvisieren für uns fast alle totales Neuland, was mich aber echt weitergebracht hat und neue Möglichkeiten der Musik eröffnet hat, die mir sehr gefallen haben. Auch fand ich’s toll, dass ein Konzert zustande gekommen ist, auf das man hinarbeiten konnte, sodass das Projekt einen gelungenen Höhepunkt und Abschluss hatte. Auch fand ich die Zusammenarbeit mit den beiden Tänzerinnen sehr beeindruckend. Ich fand es total toll und würde mich freuen, wenn man das Projekt vielleicht weiterführen könnte...“

"Ich genieße das freie Improvisieren, weil es mir einen vollkommen losgelösten und intimen Zugang zur Musik als Materie und zu meinem Instrument bietet, und ich so das Gefühl habe, in die wirkliche, wahre und ursprüngliche Musik einzutauchen."

„Open_Music hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vorher konnte ich mit moderner Musik nicht sonderlich viel anfangen, aber das hat sich geändert. Ich habe gelernt, ganz anders auf andere zu hören und traue mich jetzt mehr.“

„ Die Arbeit war sehr spannend, die Ideen für ein Stück wurden jedes mal wieder anders umgesetzt, das Motiv blieb aber gleich – toll!“

„Ich habe gelernt, dass Musik auf der Geige nicht nur klassisch sein muss, sondern auch „schräge“ Töne zur Musik gehören, interessant sind und Spaß machen.“

„Kommunikation in vielen verschiedenen ‚Sprachen’...unendliche Möglichkeiten - Ergebnisse können ganz verschieden ausfallen, nie hört sich eine Improvisation wie die andere an...“

"Bei unsern Stücken kann man erleben, was es bedeutet, wenn Menschen füreinander da sind, die sich nur geistig miteinander verständigen und zusammen einen Klang entfalten, der nie wiederholt werden kann und somit einmalig bleibt. Alles fügt sich zu einem harmonierenden Ganzen zusammen und entführt den Zuhörer in eine Welt der Musik, die nicht vorherbestimmt ist..."

„Wichtig war mir einerseits das Zusammenspiel innerhalb der Gruppe und auch die Erfahrung das eigene Instrument, in meinem Fall Klavier, mal völlig anders zu spielen wie gewohnt. Die Art von Musik war anfangs sehr seltsam, jedoch habe ich sehr schnell reingefunden und dann gemerkt auf was es ankommt. Dann macht die ganze Sache um so mehr Spaß. Das Konzert fand ich sehr gut, war mal eine echte und gute Alternative zu was man sonst kennt und tut.“

Besonders an dem Projekt: „Ganz klar von vorn herein die Loslösung von allem bisher gelernten, keine Harmonien und allgemein keine Musik in dem Sinne wie man sie bisher gekannt hat. Die Lockerheit und Offenheit Rollers im Bezug auf Anregungen innerhalb der Proben. Kritisieren möchte ich gar nichts, ich fand es so wie es war sehr gelungen und auch sehr eindrucksvoll.“

„Wichtig war das Gefühl zu haben, locker zu sein und keine Angst zu haben, dass diese am Anfang ungewohnte Musik zu machen, peinlich zu sein. Mir ist aufgefallen, dass das Zusammenspiel immer besser wurde und man immer besser auf die Anderen eingehen konnte. Mir hat das ganze sehr viel Spaß gemacht...“

„Dieses Projekt bietet allen erdenklichen Freiraum für eigene Wünsche und Vorstellungen. Jeder kann sich einbringen. Es gibt keine wirklich festgelegten Regeln und gerade deshalb kann es vielfältig gestaltet werden.“

„Am Anfang war es schwer sich auf das Improvisieren ganz einzulassen. Aber dadurch, dass wir erst „einfache“ Sachen wie das D-Stück gemacht haben, war der Einstieg leichter. Ich war sehr überrascht von der positiven Reaktion des Publikums. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!“

„Ich habe viel über das Erzeugen von Tönen gelernt. Es hat mir SEHR viel Spaß gemacht.“

„Jeder kann sich frei entfalten, aber gleichzeitig ist es eine gute Übung, genau hinzuhören, bzw. auf die anderen zu hören!“

„Ich fand es gut, dass man auf die anderen reagieren/hören musste. Man war stets konzentriert, was aber nicht anstrengend war, da ich finde, dass es von Zeit zu Zeit wie von alleine ging. Ich fand besonders gut bei dem Projekt, dass niemand zu etwas gezwungen wurde sondern seine Ideen dann einbringen konnte. Man musste keine Angst haben, etwas ‚falsch’ zu machen.“

„Mir hat besonders das Konzert gefallen, weil hier die Konzentration am größten war. Es war interessant und spannend zu beobachten, wie genau wir gegenseitig aufeinander reagiert haben.“

„Der Workshop war was Neues was ich noch nie gemacht habe. Das Aufeinanderhören Lernen hab ich als Gewinn empfunden. Manchmal fiel es schwer aus sich heraus zu gehen – das ist aber, glaube ich, normal. Mit der Zeit verlor man die Angst... Die Regellosigkeit und das unbestimmte Ende. Das Gefühl, nichts falsch machen zu können ist eine tolle Erfahrung.“

„Andere Kurse sind auch toll aber sie sind oft sehr eintönig...dieses Projekt war aber lockerer – jeder konnte spielen was ihm/ihr gefiel ohne falsch zu sein. Es war klasse“

„Interessant war für mich, dass man nie wirklich wusste im Voraus wie sich ein Stück entwickeln wird und wie lange es dauern wird. Dieses Projekt war für mich eine ganz andere Art von Musik: Positiv war, dass keiner „falsch spielen konnte; es kam also nicht darauf an, wer sein Instrument am besten beherrschte. Der Druck, die Angst etwas Falsches, Unpassendes zu spielen, verschwand’ bei mir schon in der 2. Probe!